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Pro Senecute wirbt in Buchs für „gesundes Sterben“ - Senioren sollen „den jungen Menschen Platz machen“

Ein Kommentar von Eveline Siegenthaler -

Die Pro Senectute will schwer Kranke zum „gesunden Sterben“ motivieren und tourt mit einer entsprechenden Vortragsreihe durch den Aargau. Erste Station war vorgestern Buchs.


Das Newsportal "Aarau 24" zitiert den Referenten der Vorträge, Heinz Rüegger, folgendermassen: Es gehe nicht nur darum, mit 35 Jahren an Krebs zu sterben, sondern eine Haltung im Alter von 80 oder älter zu entwickeln. (...)


"Ganz wichtig ist es, den jungen Menschen Platz zu machen und ihnen das Leben zu überlassen. Es geht auch ohne uns, wir sind ersetzlich und sollen eine bescheidene Haltung einnehmen. Es ist wie in der Natur: Blühen, und neues blüht."


Jeder Mensch hat in unserem Land volles Recht auf adäquate medinzinische Behandlung


Die Entscheidungsfindung darüber, welchen Behandlungen ein Patient sich unterziehen will, sollte sich einzig und allein auf der Einschätzung der behandelnden Ärzte und Therapeuten (klare sachliche Informationen) und dessen freien Willen stützen.


Dem Kranken ein schlechtes Gewissen einreden, wenn er sich für eine lebensverlängernde Behandlung entscheidet, ihm suggerieren, er würde jungen Menschen ihren Platz wegnehmen? -

Diese Art der Manipulation, welche laut "Aarau 24" in der genannten Vortragsreihe betrieben wird, hat keine mögliche Rechtfertigung. Denn sie beeinträchtigt die Betroffenen in ihrer Entscheidungsfreiheit.


Allein das Wohlbefinden des Patienten sollte im Zentrum stehen


Das Ziel jeder ganzheitlichen Beratung sollte es sein, auf die individuellen Bedürfnisse des Kranken einzugehen und den für ihn besten Weg zu finden.

Möchte er weiter den kurativen Weg verfolgen oder diesen Pfad verlassen und auf die palliative Begleitung setzen? - Beides ist ok und sein volles Recht - verbrieft in der Schweizer Verfassung (Artikel 41) und der internationalen Erklärung für Menschenrechte.


Eine Grenze beim Alter von 80 Jahren zu ziehen, ab der ein Mensch nicht mehr das Recht haben soll, um seine Gesundung zu kämpfen - dies ist gelinde gesagt eine Schande. Denn es gibt kein lebensunwertes Leben. Allein die Lebensqualität des Einzelnen zählt.


Kein Senior, der sich einer Chemotherapie unterzieht, nimmt einem jungen Menschen seinen Platz weg. Man denkt, das traurige Kapitel der "unnützen Brotfresser" habe mit dem Fall des Nationalsozialismus Mitte der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts ein Ende gefunden - und wird offensichtlich eines Besseren belehrt.


Ab welchem Alter schickt es sich nicht mehr, eine Chemo in Anspruch zu nehmen? 😢


Angesichts der genannten ideologischen Ausrichtung der Vortragsreihe erscheint dies besonders pikant:

In einem Artikel der Aargauer Zeitung aus dem Jahr 2021 zum Thema Covid-19 in Pflegeheimen hiess es,

Heinz Rüegger könne „wegen einer Chemotherapie“ nicht teilnehmen.

Offenbar zog er, damals 68 Jahre alt, diese dem "gesunden Sterben" vor. Hätte er nach seinen eigenen Empfehlungen entschieden, wenn er 12 Jahre älter gewesen wäre, und auf die Behandlung verzichtet?


Fakt ist: In keinem Spital der Schweiz werden Patienten gezwungen, nicht gewollte Behandlungen über sich ergehen zu lassen.

Die Palliativbetreuung ist für alle zugänglich.

Die Möglichkeiten dazu werden, gerade im Bereich Onkologie, offen aufgezeigt. Die Begleitung der Patienten durch Spezialisten der Psychoonkologie/Sozialarbeiter ist längst etabliert und üblich. Auch der Zugang zu Sterbehilfe ist in der Schweiz absolut ausreichend.

Schon seit Mitte der Achzigerjahre ist Exit eine Institution, der die Bevölkerung vertraut.

Beim Erstellen einer Patientenverfügung bietet das Schweizerische Rote Kreuz fachgerechte Unterstützung.



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